Nordspanien 2004 - Seite 3



16.9. Das gibts doch nicht: wolkenloser Himmel über den Picos, aber seeehr kalt...7C. Unser Entschluss, weiter zu fahren, steht fest, auch wenn es schwer fällt. Unser Ziel ist Galizien, der westlichste Punkt unserer Reise. Wir packen unseren Kram und erhaschen auf der Fahrt noch einige tolle Blicke auf die zackigen Berge, aber leider will kein Foto gelingen. Bis Ribadeo sehr schöne Landschaft, dummerweise verpassen wir den Fotostop an der Ria de Ribadeo und später sagen wir uns, daß wir vielleicht dort ein paar Tage Station hätten machen können. Dann biegt die Straße ins Inland ab und die Landschaft wird öder und unsere Laune sinkt. Bei Carbrallo in der Nähe von La Coruna suchen wir einen Campingplatz, aber die Gegend gefällt uns gar nicht. Da um diese Jahreszeit nur noch wenige Campingplätze geöffnet haben, führt uns unsere Fahrt bis nach O Grove an der Westküste, wir haben ziemlich viel Zeit verloren.

Camping Moreira O Grove

Aber der Campingplatz "Moreiras" in O Grove entschädigt uns mit tollem Meerblick und guten Sanitäranlagen. Unterhalb des Campingplatzes ist ein felsiger Strand mit kleinen Sandbuchten...sehr schön. Das Bad bei sommerlichen Temperaturen im ziemlich kalten Wasser haben wir uns verdient und dann ist Sonnenuntergangs-Fotosession im Fischerhafen angesagt.

Panorama - O Grove - kleiner Hafen

kleiner Hafen von O Grove

17.9. Wieder ein strahlender Tag! Wir fahren nach O Grove und schauen uns den Fischereihafen und die fleißigen Muschelzüchter an. Auch der große Hafen in der Stadt ist interessant und bietet viele schöne Fotomotive. Weiter gehts zu einem kurzen Stop am Riesenstrand Praja de Lazada...sehr gepflegt und das Wasser superklar. Um diese Zeit fast menschenleer, in der Saison werden sich hier wohl tausende Spanier rösten.

Fotoalbum

Auf de Illa de Ous

Eigentlich wollen wir an der Küste entlang weiter bis nach Pontevedra, aber Uwe hat die tolle Idee, von Portonovo aus zur Illa de Ous zu schippern...gesagt, getan. Nach der gemütlichen Überfahrt stärken wir uns im Inselreataurant mit lecker Salat und Steak und Hühnchenbein, gesättigt erwandern wir die kleine Insel mit vielen tollen Ausblicken. Zum Abschluß nehmen wir ein Bad im kalten, kristallklaren Wasser. Nach der Heimfahrt gibts zum Tagesausklang Serranoschinken und viele tolle Sonnenuntergangsfotos.

Panorama - Die Sonne ist in der Rias Bajas versunken

Sonnenuntergänge in O Grove

18.9.Heute pieselt es zur Abwechslung, Autotourwetter! Zuerst nach Combarro, ein nettes Dorf mit engen Gässchen und uralten Speicherhäuschen. Weiter geht es nach Pontevedra, es ist ziemlich schwierig einen Parkplatz zu finden. Bei ekeligem Nieselregen laufen wir durch die verwinkelten Gassen, aber die gute Laune sinkt mit jedem Tropfen und mit der Orientierung haperts auch. Kurz entschlossen fahren wir nach Santiago de Compostella und dort kommt tatsächlich die Sonne raus. Die Innenstadt ist wirklich sehenswert, auch für "Nichtpilgerer". Wir erleben die dritte Hochzeit in diesem Urlaub auf dem Kathedralenvorplatz. Eine galizische Volkstanzgruppe spielt dem Brautpaar auf.

In Santiago de Compostella

Nachdem wir uns einige wichtige Gebäude und Plätze angesehen und ein paar Mitbringsel erworben haben, geht die Fahrt zurück über Carril, Vilagarcia nach Cambados, dem Zentrum des galizischen Albarino Weißweins. Das ist eine nette kleine Stadt mit uraltem Markt und kleinen Gässchen. In einem Einrichtungsladen erstehen wir hübsche Gläser und anderen Schnickschnack, der in Deutschland sicher das Dreifache gekostet hätte.

Galizischer Fischer

Gut gelaunt nach einem letzten Bad im Atlantik gehen wir in die nahe gelegene Gaststätte "As Pipas" zum Abschiedsessen und erleben eine Lehrstunde galizischer Gelassenheit kontra deutschem Hunger... Um 19.45 erklärt man uns, dass es erst ab 20.30 Essen gibt, weil die gute Frau ganz allein sei. Pünktlich 20.30 Uhr bekommen wir die Speisekarte und dürfen unser Abendessen aussuchen. Wir sind immer noch die einzigsten Gäste und die Frau ist immer noch alleine, was sich auch nicht mehr ändern wird. Als gegen 21 Uhr der Salat kommt, ist unsere Laune ziemlich am Tiefpunkt. Aber es schmeckt wenigstens und uns wird dann langsam besser, als 21.30 endlich Tortilla und Seehecht gebracht werden Das Erstellen der Rechnung gestaltet sich wiederum langwierig, dafür vertut sich die gute Frau sehr zu unseren Gunsten. Wir sagen nichts und schleichen heim. Die Entscheidung, was wir morgen tun, wird vertagt.

Fotoalbum

Cambados

19.9.Wir entscheiden uns trotz klarem Himmel weiter zu fahren. Unser Ziel: Las Medulas bei Ponferrada. Dort habe die alten Römer nach Gold geschürft und eine surrealistische Landschaft hinterlassen, die ins Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Leider gibt dort keinen Campingplatz und die Anfahrt nach Las Medulas ist mit dem Hänger nicht gestattet (zu steil). Wir sind enttäuscht, aber dafür ist die Fahrt bis Kastilien sehr abwechslungsreich, Berge, Täler, Schluchten... Ab Leon fahren wir über die endlosen Weiten der Hochebene und sehen in der Ferne die Berge der Cordilleren. Der Erdboden wechselt von leuchtendem Rot über gelb bis fast weiß.

Panorama - Rioja - Blick zur Sierra de Tolono im Norden

Camping La Rioja

Nach Burgos bläst uns ein heftiger Wind eine Wolkenwand entgegen (nur noch 11C). Nachdem wir die Montes de Oca hinter uns haben, wird das Wetter wieder etwas besser. Wir finden bald einen Campingplatz, "La Rioja" bei Castanares, ein nicht gerade billiges Riesenteil mit fast nur Dauercamperplätzen, jetzt jedoch fast verwaist. Außer uns sind die restlichen Camper an beiden Händen abzuzählen. Die hallenartigen Sanitäranlagen könnten eine grundlegende Erneuerung vertragen, aber es ist sauber und wir wollen uns auf dem Platz ja nicht aufhalten. Eine leckere Tomatensuppe wärmt uns auf und wir schlafen gut.

Fenster in Haro

20.9. Ein klarer Spätsommertag, gut geeignet, das wunderschöne Rioja kennen zu lernen. Wir fahren nach Haro, eine Stadt mit einem recht netten alten Kern, leider hat die Touri-Information Montags geschlossen. Weiter geht es nach Briones. Dieses uralte, hübsche Städtchen auf einem Hügel ist von Weinplantagen umgeben und man hat einen weiten Blick über das Land. Nach einem Zwischenstopp in San Vincente de la Sonsierra (fast ebenso sehenswert wie Briones) fahren wir in die nördlich gelegenen Berge. Ein wenig unterhalb des Gipfel des Tolano-Gebirges machen wir eine schöne Wanderung durch eine landschaftlich reizvolle Gegend Riojas. Die Berge sind bizarr und man hat tolle Ausblicke über Rioja-Ebene die vom Ebro durchflossen wird bis zur Sierra de la Demanda. Wir beobachten lange die Geier und erschrecken vor mehreren Gottesanbeterinnen.

In Pradillo

Fotoalbum

Als wir wieder auf dem Campingplatz sind, wird der große Pool extra für uns geöffnet, aber bald wird es zu kalt zum Schwimmen. Zum Abendessen gibts Bauernfrühstück und wir sind zufrieden mit dem wunderschönen Tag.

Panorama - Rioja - Blick von der Sierra de Tolona zu den Montes Obarenos

In Pradillo

21.9. Heute ist wieder eine Autotour dran, wir fahren nach Navarete, Entrena, Islallana (da gibt es bizarre rote Felsformationen), dann weiter im grünen Tal des Rio Irugea nach Pradillo, einem hübschen urig-alten Bauerndorf. Leider ist die Touri-Info auch hier geschlossen. Dann nähern wir uns der Sierra Cebollera, hier wächst nur noch Gestrüpp und der Embalse de Pajares ist ziemlich ausgetrocknet. Zurück gehts abwärts im Tal der Rio Leza, hier ist die Landschaft völlig anders, trocken und felsig. Dann erreichen wir den Leza Canyon, machen einen kurzen Abstecher in die Schlucht und beobachten lange die Geier (mindestens 15 Stück), die über uns oft ziemlich nah umkreisen bzw. über unsere Köpfe fliegen.

Panorama - Rioja - Rio Leza

alte Bauernhäuser in Pradillo

Die Tour führt weiter über Ribafrecha, Alberite, Albilda de Iregua. In Nalda machen wir eine kurze Wanderung nach Islallana und zurück, vorbei an Weinfeldern und noblen Fincas unterhalb der bizarren roten Felsen. Rückfahrt über Entrena, wir besuchen eine Bodega zwischen Torremontalbo und Briones und kaufen Crianza (zu Hause schmeckt der dann gar nicht so) und Reserva (wirklich gut). Wir halten noch einmal in Briones und kommen gerade noch zum Umzug im Rahmen des Weinfestes zurecht, der Beginn der Weinlese wird ausgiebig gefeiert. Die Leute bewerfen sich mit roten Trauben und dem entsprechend sieht die normalerweise weiße Kleidung aus. Die meisten sind schon etwas angetütert, machen lustige Blasmusik und ziehen zur Stierarena um dort weiterzufeiern.

Rote Felsen bei Islallana

Abends gibts Risotto und Steaks aus der Campingküche. Dazu natürlich Rotwein aus Rioja.

Panorama - Rioja - Am Ebro

Weinfest in Briones

22.9. Die Wolken lösen sich gleich nach dem Frühstück auf und es wird wieder ein strahlender Tag. Wir fahren nach Santo Domingo de la Calzada, Die Stadt ist nicht so toll, abgesehen von dem Hahn und der Henne in der Wallfahrtskirche. Dann fahren wir ins Oja-Tal, sehr grün aber unspektakulär, dann Najera, auch nicht toll. In der Bodega vom Vortag bekommen wir kein Menu del Dia, ebensowenig in Haro. Dafür hat dort diesmal die Info auf und wir bekommen noch 2 Wandervorschläge, den einen haben wir schon gemacht, den zweiten führen wir sogleich durch. Der Rundweg führt von der Ermita de San Felices zunächst vorbei am Monasterio de Camaldulenses, ein tief in den Bergen und Wäldern gelegenes Kloster und im letzten Teil durchstreifen schöne Weinplantagen, wo ein paar reife und süße rote Trauben als Wegzehrung dienen.

Fotoalbum

Unseren letzten Abend in Nordspanien beschließen wir mit Bratkartoffeln, Rioja und einem zünftigen Offiziersskat. Morgen gehts nach Frankreich...

Gottesanbeterin

23.9. Als Zwischenstation vor der endgültigen Heimreise haben wir das Tal der Loire auserwählt. Am frischen aber sonnigen Morgen sagen wir Spanien Auuf Wiedersehen. Unserer Fahrt führt zuerst wieder ins Baskenland nach Bilboa und wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn an San Sebastian, Bordeaux, Tours, Orleans vorbei. Den Campingplatz in Sully gibt es nicht mehr, er wurde Opfer des Hochwassers, eine Frau empfiehlt uns einen Platz in Gien. Der Platz Camping Touristique de Gien direkt an der Loire ist idyllisch und sehr gepflegt.

Wir sind 980 km gefahren, ziemlich breit, aber die Austernseitlinge und Gnocchi aus der Campingküche schmecken und zum Ausklang führt noch ein Spaziergang im Nieselregen durch Gien.

Camping Gien

24.9.Nebel über der Loire, wir schlafen erst mal richtig aus. Dann besichtigen wir den Canal de Briare, der uns wirklich beeindruckt. Dann nach Sully, um das Chateneuf sur Loire genauer zu betrachten, anschließend durchstreifen wir noch Germigny. Während unserer Fahrt kommen wir an zwei riesigen Atomkraftwerken vorbei, die einen bedrückenden Eindruck bei uns hinterlassen.

Fotoalbum

Das Urlaubsabschiedsessen soll es in Gien geben, doch die hochgelobte französische Küche scheint hier unbekannt zu sein: Ratatouille gibt es nur auf der Karte, das Steak ist fast roh, dafür sehr zäh und teuer ist der Fraß auch noch.

Camping Gien

25.9.An einem schon sehr kalten Morgen (3C) müssen wir früh aus den Federn. Die letzte lange Etappe bis nach Dresden liegt vor uns. Die 1.100 km über Auxarre, Beaume, Besancon, Freiburg, Karlsruhe, Heilbronn, Nürnberg, Hof, Chemnitz ziehen sich schon ganz schön, zumal mit einem Hänger im Schlepp. Schließlich erreichen wir zwar etwas müde, aber mit vielen neuen Eindrücken und mit dem Gefühl, einen wunderbaren Urlaub erlebt zu haben, unser Heim.

Schloss in Gien