Ägypten - Safaga 2007



18.01. Ohje, das ging ja gut los! Schon der Vorabendcheckin wurde zum unfreiwilligen Abenteuer. Nicht nur, dass uns der Orkan Kyrill bei der Fahrt zum Flughafen mächtig zu schaffen machte, als wir dort unversehrt ankamen, mussten wir auch noch feststellen, die Flugtickets vergessen zu haben. Das bedeutete, noch einmal nach Hause zu fahren, die Tickets zu schnappen und wieder zum Flughafen zu brausen. Noch stärker brauste allerdings der Orkan und die Autobahn rund um Dresden machte einen ziemlich gespenstischen Eindruck. Wie durch ein Wunder passierte uns aber nichts und irgendwann waren wir dann geschafft zu Hause. Die Nacht war noch ziemlich ungemütlich, erst ein heftiges Gewitter und nach Mitternacht heulte es nur so. Mit Schlafen war da nicht sehr viel und die Sorge, ob der Flieger am Morgen überhaupt abheben könne, war riesengroß.



Kyrill - Quelle: Spiegel Online

19.01. Um 4:30 Uhr fuhren wir bei noch heftigem Wind und Regen mit dem Auto los. Als wäre nichts gewesen, starte aber unsere Maschine pünktlich um 6:40 Uhr und auch von Nürnberg ging es fast auf die Minute genau weiter. Der heftige Rückenwind sorgte dafür, dass unser Flieger mehr als 1000 km/h über Grund erreichte und so kamen wir um einiges früher als geplant in Hurghada an. Überrascht waren wir davon, was sich in den 2 Jahren seit unserem letzten Aufenthalt alles verändert hatte. Ein neues großzügigeres Flughafengebäude erwartete uns und diesmal liefen sowohl Passkontrolle als auch Gepäckentgegennahme absolut reibungslos und zügig. Dann ging es wie üblich mit dem Bus zu unserem Hotel und die Strecke kam uns dann doch noch sehr bekannt vor. Gras war immer noch nicht gewachsen...

Über Ägyptens Mittelmeerküste

Den Nachmittag nutzten wir, um uns für die kommenden Tage in der Orca-Tauchbasis anzumelden, wo uns Volker schon erwartete. Auch hier gab es Neues, das Außengelände ist inzwischen neu gestaltet. Na, da ließen wir uns nicht lumpen und tranken in Wiedersehensfreude ein gutes Stellabier. Bald legte auch das Tauchboot an und so hatten wir schon den ersten Kontakt mit den Leuten, mit denen wir die nächsten Tauchtage gemeinsam bestreiten wollten. Ein paar bekannte Gesichter tauchten auf, was ja kein Wunder war, denn die Tauchschule Dresden hatte zeitgleich eine Reise hierher organisiert. Uwe Pr. kümmerte sich sofort rührend um uns, er war umgehend mit dem Vorschlag dabei, dass wir die Zeit mit einen Nitroxkurs bestens ausnutzen könnten (jaja, das Geschäft). Aber so schnell ließen wir uns dann doch nicht überreden, was aber unserer gemeinsamen Vorfreude auf die Tauchgänge keinen Abbruch tat.

Hotel Menaville - Pool

20.01. bis 24.01. Nun wollen wir hier nicht in allen Details wiederholen, was wir schon zu unserer Reise in 2005 beschrieben hatten. Soviel anders waren die Erfahrungen dann diesmal doch nicht. Wer möchte, kann den Bericht von 2005 gern noch einmal nachlesen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Worte zu unserem Hotel und was wir so aus unseren Urlaubstagen machen konnten. Ursprünglich wollten wir wieder ins Holiday Inn, wir hatten gute Erinnerungen daran. Noch rechtzeitig vor dem Abflug bekamen wir jedoch Post von unserem Veranstalter: Bauarbeiten! Also buchten wir um, und die Entscheidung war kein Fehler. Das Hotel Menaville ist kleiner, beschaulicher und ziemlich ruhig gelegen (solange man kein Zimmer am äußersten südlichen Rand mit Blick aufs Niemandsland hat, denn da ist das Ende der Hotelanlagen von Safaga Beach und die Geräusche von der Straße Hurghada - Safaga könnten durchaus nerven).

Hotel Menaville - Grünanlagen

Unser Zimmer im Menaville war vielleicht einen Tick weniger luxuriös als im Holiday Inn, dafür sehr geräumig und mindestens genauso sauber. Wer zu wärmeren Zeiten hier ist, hat sogar den Vorteil, dass die Fenster nur nach Norden weisen, wodurch das zusätzliche Aufheizen durch die Sonne unterbleibt, zumal im Erdgeschoss. Wir hatten damit weniger ein Problem, denn die ganze Zeit blies ein stetiger kühler Nordwind (Danksagungen an Kyrill bleiben uns aber im Halse stecken). So blieb unser Zimmer die ganze Zeit (un)angenehm kühl, man sollte eher sagen, wir vermissten fast die Heizung. Das Beste was man tun konnte war, sich schnell unter den Decken zu verkriechen. Die Dusche spendete das heiße Wasser eher tröpfchenweise (wir sind in einer sehr wasserarmen Region, deshalb keine Kritik!) und auch im Bad war es ziemlich kühl, sodass auch hier keine zusätzliche Aufwärmmöglichkeit bestand.

Hilfreich ist eine Flasche Hochprozentiger, wir bevorzugen in solchen Situationen einen vorzüglichen Grappa. Der wärmt und hat den angenehmen Nebeneffekt, auch etwas zu desinfizieren. Geradezu als Medizin sollte man das bezeichnen. Dieser Tropfen Alkohol tat uns wohl.

Hotel Menaville - Strand

Bemerkenswert ist die Vielfalt der im Restaurant angebotenen Speisen, das verliert sich jedoch nach ein paar Tagen. Wie überall merkt man schon, dass es immer dieselben Köche sind, die da etwas zusammenzaubern. Geschmacklich sind die Variationen dann doch nicht so groß, es wird eher zurückhaltend gewürzt und die arabische Küche kommt uns zu kurz. Das Personal ist nicht nur zahlreich sondern auch zumeist äußerst freundlich und zuvorkommend. Ein wenig Bakschisch stimmt sie natürlich noch wohl gesonnener, jedem können wir es allerdings nicht recht machen. An manchen Abenden kleiden sie sich altägyptisch, das sieht lustig aus, und wir müssen darüber nachdenken, dass sich deutsche Kellner mit solch einem Aufzug auf Grund ihrer Verklemmtheit sehr schwer tun würden.

Die Ägypter sind für Späße sehr zu haben, man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie sind dem Rumalbern sehr aufgeschlossen, was sie ziemlich sympatisch macht. Kindern gegenüber bringen sie sich fast um. Auch so eine positive Eigenschaft, die man hierzulande sehr vermisst.

Fotoalbum

Hotel Menaville - in unserem Zimmer

Eine fast künstlerische Meisterschaft entwickeln die Zimmerboys (hier arbeiten nur die Männer - Gleichberechtigung steht noch nicht auf der Tagesordnung). Jeden Tag werden die Betten anders gemacht, mal werden aus den Überdecken Schwäne, anderntags Rosen oder andere phantasievolle Skulpturen geformt.

Diesmal trauen wir uns etwas weiter nach außerhalb der Hotelanlagen als vor zwei Jahren. Waren es damals noch die Erfahrungen der eher (für uns deutsche Konsumenten) unangenehmen Art, sich den ständigen Kaufofferten allzu beliebiger Souvenirshops zu widersetzen, so erkunden wir jetzt die nahe gelegenen Bereiche, wo die Einheimischen ihre Häuser bauen oder schon gebaut haben (manchmal dabei nie fertig werden) und ihr Leben leben. Eine ältere Dame, die schon viele Jahre ihrem Körper die nasskalten deutschen Winter erspart und sich die ewige Sonne am Roten Meer im Hotel Menaville gönnt, gibt uns den Tipp, ein preiswertes Mittagessen im "Alibaba 2" zu versuchen. Das probieren wir aus und im Ergebnis können wir das allen Touristen von Safaga Beach nur empfehlen.

Hotel Menaville - Bewässerung


Bei einer Urlaubswoche empfiehlt es sich für Taucher, die ersten 5 Tage dafür voll zu nutzen und den letzten Tag vor dem Abflug zum Kennenelernen der näheren oder ferneren Umgebung zu verwenden. So haben wir das auch diesmal geplant, aber erstens kommt es manchmal anders, zweitens als man denkt.

Der erste Tauchtag ging noch sehr gut los. Wir wurden mit unserem Gepäck am Hotel abgeholt, packten unser Zeug zusammen und waren pünktlich auf dem Boot, diesmal die Alia 1. Den Kapitän kannten wir noch vom letzten Mal, die Mannschaft war allerdings neu. Dort wo wir vor zwei Jahren die letzten Tauchgänge hatten, nämlich am Panoramariff, ging es diesmal los. Da der Wind stetig aus Norden bleis waren Hin- und Rückfahrt eine schaukelige Angelegenheit, aber auszuhalten. Am Riff gab es dann recht ruhige Ankerplätze. Auffallend waren die sehr wenigen Boote, das war vor 2 Jahren, allerdings im Februar, ganz anders. Für uns gut, denn unter Wasser gab es nicht dieses manchmal nervende Gewimmel, gut auch für die Riffe aber für die Tachbasen nicht so gut, die davon leben.

Fotoalbum

Ramses 2007


Den Checktauchgang absolvieren wir mit Marc, einem Engländer, der gut deutsch spricht, was kein Wunder ist, denn er hat eine deutsche Mutter. Er ist sehr zufrieden mit uns und wir sind es auch, denn die letzten Tauchgänge im Meer liegen schon 1,5 Jahre zurück, und die paar Tauchgänge in den sächischen Steinbrüchen im vergangen Sommer sind dann doch etwas ganz anderes. Mit zunehmender Erfahrung wird man halt immer sicherer und gelassener. Einen alten Bekannten treffen wir unter Wasser auch wieder - den riesigen Napoleon, der uns diesmal ganz aus der Nähe begrüßt. Ob er uns auch wieder erkannt hat?

Nach dem ausgesprochen leckeren ägyptischen Mittagessen an Bord und dem verdienten Mittagsschläfchen unternehmen wir den zweiten Tauchgang zu zweit, machen aber den Drifttauchgang nicht mit, sondern schauen uns lieber ganz relaxt die Korallen und vielen bunten Fische an. Gut so, denn Tina begint nach einer 3/4 Stunde zu frösteln, obwohl das Wasser 23 C hat. Da sollte man lieber raus.

Nicht mehr für Tauchausfahrten geeignet


Die Nacht wird für Uwe unruhig, denn der verdammte Schnupfen, den er schon aus Dresden mitgebracht hat, nimmt zu. Am Morgen beichtet er Tina, dass er sich gar nicht wohl fühlt, aber der Versuch, auch heute zu tauchen, soll trotzdem unternommen werden. An Bord werden wir davon überrascht, dass von Video Bubbles jemand mit fährt, um Filmaufnahmen von den Tauchern über und unter Wasser zu machen. Es geht natürlich darum, uns davon eine DVD zu verkaufen. Zunächst sind wir etwas skeptisch, aber am Abend, als bereits die Rohfassung des Filmes in der Tauchbasis gezeigt wird, überzeugt uns das Ergebnis dann doch und als Gruppe handeln wir noch einen günstigen Preis aus, sodass wir eine schöne Erinnerung mit nach Hause nehmen konnten.

An diesem Tag tauchen wir am Riff Shab Sheer. Den ersten Tauchgang macht Uwe noch mit, nachdem er sich vorher mit Paracetamol und Nasenspray gedopt hat (was aber eine absolute Ausnahme bleiben soll). Dieser Tauchgang ist sehr schön und da die Tiefe nicht so groß ist, kommen durch das Sonnenlicht die Farben der Korallen und Fische gut zur Geltung. Zwei ausgewachsene Riesendrücker können wir beobachten, der eine hält sich direkt unter dem Tauchboot auf, und macht einen durchaus angriffslustigen Eindruck. Beste Filmbedingungen also, was sich auch bewahrheitet. Den zweiten Tauchgang kann Uwe nicht mehr mit machen, Sicherheit und Gesundheit gehen vor. Tina schließt sich deshalb Anne und Steffen beim Erkunden des Korallengartens an.

Relaxbereich für Taucher


Da der Wind sehr zugenommen hat, wird die Rückfahrt auf Grund des Wellengangs ziemlich schaukelig. Alles muss gesichert oder festgehalten werden. Zum Glück wird niemand seekrank.

Den folgenden Tag müssen wir aussetzen, Uwe muss seine Erkältung erst in den Griff bekommen. Am Hotelstrand gibt es zwar für die Liegen einen Windschutz, aber leider kommt der Wind zu sehr vom Meer, dass es nicht viel nützt und so liegen wir dick angezogen und mit Mützen auf dem Kopf ziemlich faul rum. Baden gehen wir nicht, obwohl die Wassertemperatur ja ausreichend wäre. Einige Mutige gibt es aber doch und da schauen wir genauso zu wie denjenigen, die sich abmühen, das Surfen zu lernen.

Video Bubbles


Am vierten Tag geht es dann wieder mit dem Boot nach draußen. Unser erster Tauchgang findet am Gamul Kebir statt. Ein sehr schöner Platz, der eigentlich das bisher größte Erlebnis für uns hätte werden können. Kurz nach dem wir uns auf den Rückweg machten, kam uns ein anderer Taucher entgegen, dessen Zeichen wir jedoch (leider) missverstehen. Auf dem Boot stellte sich dann heraus, dass direkt hinter uns vier Delphine zu sehen waren. Es hat halt nicht sollen sein. Nachmittags tauchen wir dann am Tobia Kebir, hier ist die Sicht jedoch relativ schlecht, das Wasser ist durch den ständigen Wellengang, die leichte Strömung und reichlich Planktron etwas trüber als sonst. Das wird unfreiwillig unser letzter Tauchgang in diesem Urlaub, denn nun wird auch bei Tina eine Erkältung erkennbar, sie hat sich wohl angesteckt. Das ist sehr schade, denn das Tauchen war unser eigentlicher Grund, hier eine Woche Urlaub zu verbringen.

So verbringen wir den kommenden Tag wieder weitgehend in der Hotelanlage, zur Abwechslung mal am schönen Pool, an dem sich nur ganz wenige Leute aufhalten. Außer uns beiden sind da noch 4 Polen, von denen einer mit seinem lauten Gerede etwas nervt. Ein Glück, dass wir Reiseliteratur mitgenommen haben, so bekommt man die Zeit auch rum. Zur Abwechlsung versuchen wir uns außerdem zwischendurch mit Tischtennis. Am Nachmittag buchen wir für den letzten Tag eine Jeep-Safari zu den Beduinen. Da es sich um einen kleinen ägyptischen Veranstalter außerhalb des Hotels handelt, ist Tina besorgt, ob man uns vielleicht in der Wüste entführen würde.

Hätten wir auch gern gesehen


25.01. Ausschlafen ist angesagt, denn wir werden erst um 12:00 Uhr vom Hotel zur Safari abgeholt. Da können wir den Vormittag nutzen, um unsere inzwischen weitgehend trockenen Tauchsachen von der Basis abzuholen und schon mal für den morgigen Rückflug zu verpacken. Außerdem gönnen wir uns noch ein ausgiebiges Frühstück - wer weiß, ob wir jemals wieder etwas zu essen bekommen... :-)

Überpünktlich, also eine 1/4 Stunde vor 12 Uhr, kommt unser Jeep. Wir sind tatsächlich erst mal allein, aber die oben genannte Sorge verfliegt schnell, denn noch in Safaga Beach bald steigen 2 weitere Leute zu und in Hurghada sammeln wir noch 4 Leute auf. Alles Russen, aber die beiden ersten können sehr gut deutsch, sodass doch Konversation möglich ist. Unser Schulrussisch ist zu sehr verschüttet, als das man mehr als die Höflichkeitsfloskeln aussprechen könnte. Wir treffen uns dann mit einem zweiten Jeep (auch alles Russen) in Hurghada, bevor dann die eigentliche Safari im "Konvoi" richtig los geht.

Diese Nummer sollte man sich merken


Auf dem Dachgepäckträger des ersten Fahrzeugs hockt ein Kameramann, was ziemlich halsbrecherisch ist und in Deutschland undenkbar wäre. Es geht natürlich auch hier darum, den Touristen für gutes Geld eine DVD ihres Ausflugs zu verkaufen, allerdings sind die Preise (20,- Euro für 1 DVD) deutlich günstiger als bei den europäisch geführten Video Bubbles. Um es vorweg zu nehmen, wir haben auch hier eine DVD gekauft, aber die Qualität und die Professionalität bleibt mehr als deutlich hinter der unseres Tauchvideos zurück. Die Kamera versprach viel mehr, aber sowohl Bildschärfe als auch Videoschnitt sind sehr dürftig. Man hat den Eindruck, als wäre das Objektiv noch nie gereinigt worden. Schwamm drüber, ist ja trotzdem eine Erinnerung.

Bei einem Stopp, kurz bevor wir in die Täler der Arabischen Wüste hinein fahren, werden erste Fotos geschossen. Der Name Arabische Wüste (arabisch: As Sahara Ash Sharqiyah) steht übrigens für das sich fast die ganze ägyptische Rotmeerküste hinziehende kahle, schroffe und zugleich eindrucksvolle Gebirge, dessen höchste Erhebung immerhin 2187 m aufweist. Es handelt sich um die trockenste Wüste in Ägypten überhaupt, hier regnet es im Durchschnitt höchstens aller 10 Jahre einmal. Das letzte Mal ist es nun sogar schon 11 Jahre her. Wie unser Guide uns berichtete, sind solche Regenfälle dann geradezu sintflutartig und für eine längere Zeit wird es sogar grün in dieser für uns so menschenfeindlichen Gegend.

Tor zur Arabischen Wüste


Da stellt sich natürlich die Frage, wie können hier überhaupt Menschen existieren? Nach einer holprigen Fahrt von einer knappen Stunde kommen wir in dem "Dorf" an. In dem Tal liegen verstreut einzelne Strohhütten, es sollen ca. 150 Leute hier wohnen, die zu einer Sippe gehören. In dieser Gegend Ägyptens leben Bedsha-sprechende Nomaden, die früher vom Handel (für den die Kamele das Transportmittel darstellten) und heute fast auschließlich nur noch von den Touristen leben. Interessanterweise scheint der Tourismus aber keine tieferen Spuren in der Lebensweise der Beduinen zu hinterlassen, die traditionellen Sitten und Gebräuche sind dadurch bisher kaum verändert worden.

Außer dem Chef der Sippe kann niemand lesen und schreiben. Das Leben spielt sich auschließlich innerhalb der Sippe und am jeweiligen Aufenthaltsort im Tal ab. Nur er und ein weiterer Mann, der den einen der beiden Jeeps fährt (und dafür auch eine Fahrerlaubnis besitzt) haben außerhalb des Tals Kontakt mit der Außenwelt. Der Chef führt alle notwendigen Erledigungen, vor allem Lebensmitteleinkäufe, für die Sippe durch und benutzt dazu ebenfalls einen Jeep, der ihm gehört.

Fotoalbum

Schattenriss


Die Menschen hier sind völlig frei. Sie haben keine Ausweise und unterliegen nicht dem ägyptischen Recht. Recht wird nur innerhalb der Sippe gesprochen, und zwar vom Chef und das ist ganz stark von ihrem Glauben geprägt. Der Glaube spielt ohnehin im Leben die dominierende Rolle und Parallelen zum Islam sind unverkennbar. Frauen und Mädchen, die älter als 10 Jahre sind, müssen vollständig verhüllt gehen, wobei die Burka tiefschwarz ist. Eine winzige und armseelige Moschee haben sie sich errichtet. Geheiratet darf nur innerhalb der Sippe, wenn es hoch kommt, vielleicht noch jemanden aus einer anderen Sippe des gleichen Stammes, niemals jedoch einen Ägypter oder gar einen "Weißen", egal von wem die Initiative dafür ausgehen würde.

Für ihren Wasserbedarf haben die Beduinen sich einen ca. 25 m tiefen Brunnen gegraben. Jetzt wissen wir also, dass es doch das lebenswichtige Wasser gibt. Es handelt sich um Grundwasser, welches allerdings durch die Nähe zum Meer geringfügig salzhaltig ist. Wir würden das natürlich nicht vertragen und bleiben lieber bei den Mineralwasserflaschen. Wenn übrigens der Brunnen zu versiegen droht, dann ziehen die Nomaden weiter bis zu einem Ort, wo sie ihr neues Lager aufschlagen.

Dorferkundung


Die Beduinen halten sich ein paar Ziegen, die immer noch irgendwo ein Kräutlein zu finden scheinen. Außerdem gibt es Hunde, die vor allem nachts das Gelände vor den umherstreunenden Füchsen bewachen und natürlich Kamele. Diese sind immer noch ein Transportmittel, aber heute dienen sie besonders der Belustigung der Touristen. Auch bei unserer Safari darf ein kurzer Kamelausritt nicht ausbleiben und obwohl das ungewohnt und die Sättel ziemlich unbequem sind, haben alle ihren Spaß.

Bei unserem "Dorf"-Rundgang lernen wir das traditionelle Backen von Fladen kennen, wir dürfen davon kosten, sowie weitere handwerkliche Aktivitäten wie Töpfern oder Weben von Kamelwolle. Bei Letzterem enstehen durchaus geschmackvolle Sachen, eine Tasche erwerben wir für Tina als Souvenir. Ein kleines Mädchen ist der künstlerische Star des Dorfes, sie webt nach selbstgemalten Vorlagen verschiedenste Bildmotive. Ihr Name ist Nora, und das freut uns besonders, denn unsere Tochter trägt denselben Namen.

Der Kamelflüsterer


Bevor es Zeit für den angekündigten Sonnenuntergang wird, erfahren wir noch Einiges über das Leben der Menschen hier, u.a. auch, dass sie sich ihre Medizin aus den verschiedensten Kräutern selbst anfertigen. Selbst gegen das Gift der hier vorkommenden Nattern gibt es wirksame Gegenmittel. Was sollten sie in dieser Gegend ohne Ärzte und Apotheken auch tun? Übrigens gibt es sogar ein paar "Gärten", wo ein oder zwei Bäume drin stehen, und die gut eingezäunt sind. An den Bäumen, die künstlich bewässert werden, wachsen rötliche Früchte, etwa in Kirschgröße. Wir dürfen davon probieren, sie schmecken recht gut und enthalten offensichtlich viel Vitamin C.

Der Sonnenuntergang über den Bergen ist dann doch nicht so spektakulär wie das Alpenglühen, aber dafür wurde inzwischen das Abendbrot zubereitet, und das war wie alles, was wir in diesem Land an einheimischen Dingen zu Essen bekamen, äußerst schmackhaft. Den erlebnisreichen Tag beschließt die s.g. "Beduinenshow". Genau genommen handelte es sich dabei um ein Lied (eher Sprechgesang), was uns Männer des Dorfes boten. Es gab einen Vorsänger, auf dessen Vorgaben die anderen antworteten unddabei rythmisch in die Hände klatschten. Wir wurden auch aufgefordert, mitzumachen. Leider kannten wir den Text nicht, so blieb es beim Klatschen.

Worauf warten wir jetzt?


Zum Abschluss und vor der Rückfahrt wurden noch ein paar Fotos geschossen. Uns blieb dann nur noch, uns bei unserem Guide zu bedanken. Mahmud hatte nur uns zwei als einzige Deutsche zu betreuen. Sein Englisch konnten wir gut verstehen und mit unseren Sprachkenntnissen war die Verständigung recht ordentlich. Ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Mann, der uns sehr viele Details und Hintergründe erläutern konnte und wo so manches Witzchen gerissen wurde. Überhaupt behalten wir die Ägypter, und genauso die Beduinen, gern in angenehmer Erinnerung.

26.01. Heute also Rückflug nach Deutschland. Dort soll Winter sein, wie unangenehm. Also nach dem Frühstück letzte Sachen in den Koffer packen und auf den Alltours-Bus warten. Alles klappt, wir sind pünktlich auf dem Flughafen, müssen beim Einchecken überhaupt nicht warten und die Passformalitäten sind wieder schnell erledigt. Die Flieger starten und landen voll nach Plan und so kommen wir dann tatsächlich im kalten Dresden an, wo es geschneit hat und das Auto erst mal frei gemacht werden muss und wo man sich gleich nach der wärmenden Sonne zurück sehnt. Aber: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.

Abends geht die Party los